Anfragen statt AndrangSonntag, 01. Oktober 2017

Ab sofort dürfen gleichgeschlechtliche Paare offiziell heiraten – mit allen Rechten und Pflichten. Foto dpa

KREIS WARENDORF Ab dem 1. Oktober dürfen homosexuelle Paare heiraten. Im Juli hat der Bundestag die „Ehe für alle“ oder, wie es formal heißt, das „Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts“ beschlossen.

In Berlin wird damit gerechnet, dass sich die rund 10000 in der Hauptstadt geschlossenen gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften zu Ehen umschreiben lassen wollen. In Köln werde am Montag das erste gleichgeschlechtliche Hochzeitspaar getraut, teilt die Stadt mit. Im Anschluss gratuliere Oberbürgermeisterin Henriette Reker den beiden Frauen vor dem Rathaus. Auf dem Vorplatz wehe an diesem Tag die Regenbogenfahne.

In den ländlichen Kommunen scheint die „Ehe für alle“ allerdings kein großes Thema zu sein. „Der Ansturm ist ausgeblieben“, berichtet Alexandra Brzostek vom Sendenhorster Standesamt. Bisher habe es lediglich eine Anfrage für die Umwandlung einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft in eine Ehe gegeben. „Das Pärchen war sehr glücklich über die Gesetzesänderung und wollte gleich einen Termin festmachen.“

Keine Formulare

Ein ähnliches Bild zeichnet sich in Drensteinfurt ab. „Ein Paar hat sich nach den Modalitäten für eine Umwandlung erkundigt“, weiß Christiane Helmrich vom städtischen Standesamt. „Das musste ich allerdings vertrösten.“ Denn: Bislang seien die nötigen Formulare vom zuständigen Verlag für Standesamtswesen noch gar nicht zur Verfügung gestellt worden. Dies sei ein bundesweites Problem. „Die Gesetzgebung war schneller als die Technik“, so Helmrich. Wann genau die EDV an die neuen Gegebenheiten angepasst werde, sei nicht genau bekannt.

In Sassenberg hingegen ist eine  Trauung bereits möglich. „Am  Montag heiraten bei uns zwei Frauen. Der Ablauf der Zeremonie ist exakt der gleiche wie sonst auch“, erklärt Standesbeamter André Depenwisch. In der Kreisstadt selbst gibt es noch keine definitiven Termine. Aber Anfragen. „Drei Paare haben sich bei uns informiert“, berichtet Doris Lau, Standesbeamtin in Warendorf.

Fehlerhafter Text

Ralf Feldmann, Standesamtsleiter in Ahlen, weiß noch von einem weiteren Problem. Denn noch bis zum Oktober 2018 gibt es im Register einen fehlerhaften Leittext. Bis dahin wird immer von „Ehemann und Ehefrau“ die Rede sein – egal ob es sich um ein gleichgeschlechtliches Paar oder ein heterosexuelles handelt. Was noch ärgerlicher ist: Dieser Leittext wird sich auch nicht nachträglich ändern lassen. „Gleichgeschlechtliche Paare, die bis Oktober 2018 die Ehe eingehen, werden mit diesem Manko leben müssen“, sagt Feldmann.

Er vermutet, dass sich einige Paare deswegen zum Warten entscheiden. Das ist auch der Trend im Ahlener Standesamt: Zwar haben bereits vier Paare Interesse an einer Eheschließung gezeigt, ein konkretes Datum sei aber in keinem dieser Fälle bekannt.

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Beitrag von: Marion Bulla / Silke Diecksmeier / Nicole Evering
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