Selbsthilfe vor dem AusDonnerstag, 26. Oktober 2017

Werner Bussmann hofft mit Frau Ursula, dass die Selbsthilfegruppe neue Interessenten findet. Foto Heitbaum

ASCHEBERG „Hast du geraucht?“: Eine Frage, die zum Vorwurf wird. Wolfgang Bussmann hat geraucht. Viel geraucht. Doch es war ein Zufall, dass am Rande eines Besuchs des Dülmener Schlaflabors bei dem Ascheberger ein Schatten auf der Lunge entdeckt und später als Lungenkrebs diagnostiziert wurde.

Der im ersten Anlauf gut verlaufenen Operation folgten Komplikationen, zwei weitere Eingriffe, der Verlust der linken Lungenhälfte, ein tagelanges Koma und der Wunsch nach einem Eis beim Aufwachen. An der Stelle schmunzelt Bussmann sogar. Doch die Folgen, insbesondere der Komplikationen, haben sein Leben nachhaltig verändert.

Das Unveränderliche akzeptieren, dabei hat Wolfgang und seiner Frau Ursula Bussmann die Selbsthilfegruppe Lungenkrebs in Münster geholfen. „Wir haben sie mit vier Leuten gegründet. Zwischendurch waren wir 15 Leute“, berichtet Ursula Bussmann. Doch nach gut acht Jahren scheint der Gruppe nun der Nachwuchs auszugehen. Über den Winter wollen die Ascheberger noch an jedem vierten Montag im Monat nach Münster fahren. Dort ist ein Raum im Paritätischen Zentrum am Dahlweg 112 reserviert. Um 18 Uhr trifft sich die Gruppe hier. Die Bussmanns haben ihr viel gegeben, aber auch bei den Treffen viel bekommen. Wenn sich aber keine neuen Interessenten finden, dann würden die Mitgründer die Gruppe schweren Herzens auflösen.

Lachen nicht verlernt

„Wir blasen nicht Trübsal und haben das Lachen nicht verlernt“, verweist der gelernte Koch darauf, dass es in der Runde durchaus gesellig zugeht. Geburtstage werden begangen, das Weihnachtsessen ist obligatorisch. Die Goldhochzeit der Bussmanns im Herbst ist natürlich auch in der Gruppe gebührend gefeiert worden. Das bringt ein bisschen Lebensqualität, die hilft, eine belastende Alltagssituation besser zu bewältigen. Die Runden sind aber auch ein Erfahrungsaustausch. Das geht von einem neuen Spray, welches beim Atem hilft, bis zum Umgang mit ablehnenden Bescheiden von Krankenkassen.

„Darüber hinaus laden wir Referenten ein, wenn Themen es erfordern“, informiert Ursula Bussmann. So war ein Atemtherapeut da, der Thorax-Spezialist des Clemenshospitals Münster oder auch ein Vertreter einer Palliativstation. Sich dem Themenspektrum rund um die Krankheit gemeinsam in einer Gruppe zu stellen, hat nicht nur den Bussmanns geholfen.

Kooperation mit der Uni-Klinik

Die Selbsthilfegruppe für Menschen, die an Lungenkrebs erkrankt sind, arbeitet mit der Selbsthilfe-Kontaktstelle Münster und der Krebsberatungsstelle zusammen. Sie ist eine Kooperation mit der Uniklinik Münster eingegangen und deswegen auch  jederzeit erreichbar (Tel. 01? 51/ 56? 98 ?51 ?20).

Bussmann ist 2009 an Lungenkrebs erkrankt und hat weitere Krankheiten und Krisen überstanden. Aber acht Jahre nach der Diagnose ist auch klar: Es gibt ein Leben nach dem Krebs. Ihm hat die Selbsthilfegruppe geholfen. Und wer dort vorbeischaut, wird nicht mit der Frage als Vorwurf empfangen: Hast du geraucht?

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Beitrag von: Theo Heitbaum
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