Wut und VerunsicherungSonntag, 20. August 2017

Im Kreis Warendorf wurde bislang kein Fipronil in Eiern nachgewiesen. Foto dpa

KREIS WARENDORF Eigentlich könnten die Verbraucher im Kreis aufatmen. Denn trotz zahlreicher Proben hat das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt im Kreis Warendorf keinerlei Spuren von Fipronil in Eiern gefunden.

Doch weit gefehlt. Trotz der entwarnenden Nachrichten ist die Verunsicherung überall spürbar – sehr zur Verärgerung von Hermann-Josef Schulze-Zumloh, Kreisverbandsvorsitzender des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes. „Wenn Produkten, die eine Zulassung haben, illegal nicht zugelassene Wirkstoffe beigesetzt werden, kann sich niemand vor solchen kriminellen Machenschaften schützen. Auch wir Landwirte nicht“, klagt er. Trotzdem sieht er seine Berufsgruppe nun am Pranger. „Das ärgert uns maßlos“, sagt er und setzt hinzu: „Der Schaden für uns Landwirte ist immens.“

Auch der Ahlener Geflügelhändler Heinrich Schwippe, seit 50 Jahren auf dem Ahlener Wochenmarkt vertreten, kann das Wort „Fipronil“ nicht mehr hören. Doch für ihn und seine Kollegen hat der Skandal auch sein Gutes. Denn immer mehr Verbraucher kaufen ihre Produkte nun auf dem Wochenmarkt und direkt beim Erzeuger des Vertrauens. „Viele kommen aus Verunsicherung zu uns“, erklärt er das Phänomen. Damit verbunden sei eine gewisse Aufklärungsarbeit, die die  Konsumenten einfordern. Schwippe hatte schon vor dem Skandal vom Ahlener Hof Mertenskötter zugekauft. Nun hat er die Abnahmemenge noch erhöht, um die Nachfrage bedienen zu können.

Neue Kunden

Rolf Wiesemeier, Verkäufer beim Stand der Ennigerloher Firma Gruchmann, kommt zwar nicht mit mehr Eiern auf den Wochenmarkt, geht aber am Ende des Tages mit weniger wieder nach Hause. „Ich vermute, dass viele der neuen Kunden zuvor im Supermarkt gekauft haben“, sagt er.

Die Händler auf dem Drensteinfurter Wochenmarkt bekommen den Fipronil-Skandal ebenfalls zu spüren. „Wir verkaufen seitdem mehr Eier“, können sowohl Horst Kröger (Fleisch, Wild und Geflügel Kröger) als auch Peter Wittenberg (Obst und Gemüse Rogge) vermelden.

Mehr Vertrauen

„Die Menschen haben wohl mehr Vertrauen in uns Händler als in die großen Supermarkt-Ketten“, vermutet Wittenberg. Man spüre die Verunsicherung der Kunden und sei um Aufklärung bemüht, betont auch Kröger, der seit mehr als 30 Jahren mit seinem Verkaufswagen nach Drensteinfurt kommt.

Beide Marktbeschicker verkaufen ausschließlich deutsche Eier von Höfen aus der Region, über die sie auch jederzeit gerne Auskunft geben. „Früher hieß es immer: Hauptsache billig. Jetzt werden die Leute wohl so langsam wach“, hofft Horst Kröger, dass der Lebensmittel-Skandal die Menschen langfristig zum Umdenken bewegt. Weniger Hoffnung hat da Wiesemeier. „In 14 Tagen ist alles vergessen“, ist er überzeugt.

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Beitrag von: Silke Diecksmeier / Nicole Evering
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