Wilde Zeiten für JägerSamstag, 28. Januar 2017

Das Jagdgesetz wird erneut im Landtag beraten. Foto dpa

KREIS WARENDORF 117601 Unterschriften hat eine Volksinitiative gesammelt, um das umstrittene Landesjagdgesetz erneut im Düsseldorfer Landtag beraten zu lassen. Redakteurin Nicole Evering sprach darüber mit Berufsjäger Peter Markett aus Hamm.

Die Jagd ist ein sensibles, auch kontrovers diskutiertes Thema. Wie würden Sie einem Schulkind erklären, warum sie für unsere Flora und Fauna wichtig ist?

Peter Markett: Einem Großteil der Bevölkerung sind mittlerweile die natürlichen Lebenszusammenhänge in der Natur nicht mehr bekannt, weshalb sie auch mit dem Thema Jagd nicht wirklich etwas anfangen können, geschweige denn Verständnis für deren Ausübung haben. Die Natur kann aber nur überleben, wenn etwas vergeht, damit Platz für neues Leben geschaffen wird. Das hört sich erstmal grausam an, ist es aber eigentlich nicht, wenn man die Natur so akzeptiert, wie sie nun mal funktioniert. Die Ausübung der Jagd ist auch nur ein kleiner Teil von dem, was die Arbeit der Jäger ausmacht. Da geht es auch um den Erhalt und die Pflege von Lebensräumen zum Wohle aller Tierarten. Ich kann jedem Kritiker nur raten, Kontakt mit einem Jäger aufzunehmen und diesen zu begleiten. Erst danach kann man sich ein Urteil erlauben.

Das Jagdgesetz steht bald wieder auf der Tagesordnung im Landtag. Gegen welche Bereiche des Gesetzes richtet sich die Kritik?

Markett: Die Kritik richtet sich gegen die Neuerungen, die die praktische Jagdausübung weiter einschränken, obwohl dazu aus Sicht der Jäger und auch der Jagdgenossen keine Notwendigkeit besteht. Einige Neuerungen stehen dem Ziel des Gesetzes, nämlich den Tier- und Artenschutz weiter zu stärken, direkt entgegen, wie etwa die Einschränkungen bei der Fallenjagd oder die Baujagd auf den Fuchs.

Welche Ergebnisse erhoffen Sie sich von der Beratung?

Markett: Ich glaube persönlich nicht daran, dass die Beratungen etwas bringen werden. Die Argumente sind bereits zu Beginn der Gesetzgebung intensiv ausgetauscht worden und fanden keine Berücksichtigung. Allenfalls kann es durch die anstehende Landtagswahl ein Wahlgeschenk der Parteien an die ländliche Bevölkerung geben.

Wo genau sind Sie als Berufsjäger im Einsatz?

Markett: Von 2001 bis 2015 habe ich den Davert Hochwildring in meiner Eigenschaft als Berufsjäger betreut, einen Zusammenschluss von 57 Revieren mit einer Fläche von 15000 Hektar. Kerngebiet ist die Davert, die sich grob von Senden bis Albersloh und von Hiltrup bis Ascheberg erstreckt. Dort habe ich in enger Abstimmung mit den örtlichen Jägern revierübergreifende Jagd- und Bewirtschaftungskonzepte entwickelt. Ein sehr wichtiger Bestandteil der Arbeit ist die Kommunikation mit den Landwirten. Auch der Kontakt mit dem Naturschutz wird gepflegt, denn die Davert ist zum großen Teil ein Naturschutzgebiet, das Reh-, Dam- und Schwarzwild beheimatet.

2016 ging das Pilotprojekt „Beratender Berufsjäger NRW“ an den Start. Was ist Ihre Aufgabe dabei?

Markett: Seit Anfang 2016 betreue ich dieses Projekt, in welchem ich die gesammelten Erfahrungen aus der Arbeit in der Davert zur Beratung der Jägerschaft in ganz NRW einsetze. In erster Linie geht es um die revierübergreifende Bejagung und Bewirtschaftung, aber auch um Probleme mit Wildtieren im Siedlungsbereich, wie etwa Wildschweinschäden in Gärten oder Friedhöfen. Die Reviere im Davert Hochwildring sind in das neue Projekt eingebunden, so dass ich auch weiterhin dort tätig bin.

Was haben Sie im ersten Jahr schon erreicht?

Markett: Das Angebot ist von der Jägerschaft sehr gut angenommen worden. So habe ich im vergangenen Jahr viele Hegegemeinschaften und solche, die es werden wollen, besucht und beraten. Insbesondere das Thema revierübergreifende Bejagung des Schwarzwildes ist sehr gefragt. Hierbei müssen häufig erstmal alle Beteiligten an einen Tisch gebracht werden. Erst danach geht es an die praktische Umsetzung, was die eigentliche Planung und Durchführung betrifft.

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Beitrag von: Nicole Evering
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