Rechner als ZombiesSonntag, 30. April 2017

Oft lassen sich die Phishing-Mails nicht mehr von denen echter Anbieter wie Geldinstituten unterscheiden. Foto dpa

KREIS WARENDORF Noch schnell eine Überweisung tätigen – aber was ist das? Plötzlich taucht ein Pop-up-Fenster auf und berichtet von 6500 Euro Schulden beim Finanzamt. Bei Nichtzahlung soll das Konto gesperrt werden. Ein klarer Fall von Phishing!

Leider hat der betroffene Bürger bezahlt und sich erst anschließend an die Verbraucherzentrale gewandt. Trotz schnellen Handels war der größte Teil der Summe weg. „Ein hohes Lehrgeld“, wie Anne Schulze Wintzler, Leiterin der Verbraucherzentrale, findet. Sie und ihr Team haben in diesem Jahr kreisweit  etwa 100 Phishing-Anfragen bearbeitet.

„Die Mails sind immer schwieriger zu erkennen, weil die Gauner immer professioneller werden“, analysiert Daniela Kreickmann. Waren die Mails früher meist in schlechtem Deutsch verfasst, das an Übersetzungsprogramme erinnerte, sind es inzwischen grammatikalisch richtige Anschreiben mit einem hohen Grad an Personalisierung. Oft stammen sie scheinbar von echten Anbietern wie Geldinstituten, Online-Händlern oder Telekommunikationsfirmen und enthalten Name sowie Adresse des Verbrauchers, so dass dieser nicht so schnell misstrauisch wird.

Kurze Fristen

Das sollte er aber immer sein – egal, ob es sich um eine Rechnung handelt (womöglich auch noch von einem Unternehmen, bei dem er nichts bestellt hat) oder um eine Aufforderung, Bankdaten anzugeben. Bei ihren Maschen bauen die Gauner bewusst Druck auf, drohen mit Inkasso-Unternehmen, rechtlichen Schritten oder einem aufgelösten Konto und setzen extrem kurze Fristen.

Bei solchen E-Mails sollten Links und Anhänge nicht geöffnet werden. Zu schnell hat man sich damit einen Trojaner heruntergeladen, mit dem ein Unbekannter Zugang zum Rechner erhält. So kann er Passwörter abgreifen, Tastenkombinationen ausspionieren oder den Rechner benutzen, um weitere Trojaner zu verschicken. „Schätzungen zufolge sind ein Drittel aller Rechner solche Zombies“, nennt Schulze Wintzler eine erschreckende Zahl.

Komplett ignorieren

Sie empfiehlt, verdächtige Mails komplett zu ignorieren. Wer der Verbraucherzentrale helfen will, kann sie an diese weiterleiten und sie dann löschen. „Löschen sollten Sie die E-Mail jedoch nicht, wenn Sie reingefallen sind. Dann vernichten Sie wertvolle Beweisstücke“, warnt Kreickmann. In diesem Fall empfiehlt sie, den Rechner stillzulegen, ein Antivirusprogramm drüber laufen zu lassen und einen IT-Fachmann zu konsultieren. Passwörter sollten geändert und es sollte sofort Anzeige erstattet werden.

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Beitrag von: Silke Diecksmeier
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