Kitschig statt traditionellDienstag, 21. Dezember 2010

Echte Weihnachtsstimmung kommt bei Sina in China nicht auf. An manchen Ständen werden zwar Tannenbäume angeboten – doch die sind meist aus Plastik. Foto: pr

DRENSTEINFURT/GUNAGDONG Seit August lebt die Drensteinfurterin Sina Höffmann bei ihrer Gastfamilie im Reich der Mitte. Ob überhaupt und wie in China Weihnachten gefeiert wird, darüber berichtet Sina in der Dreingau Zeitung.

„Ende des Sommers bin ich aufgebrochen, nun ist es Winter – mittlerweile auch im sonst gemäßigten Guangdong. Letzte Woche schlug das Wetter nämlich plötzlich über Nacht um, und seit ein paar Tagen sind es auch hier nicht mehr als sechs Grad, sodass nun mit etwas Verspätung auch mir hier richtig kalt ist. Keine Heizung, Fenster auf Denn in Südchina gibt es keine Heizungen, und im Klassenraum oder nachts bestehen Chinesen – obwohl sie noch mehr frieren als ich – auf offene Fenster, was allerdings auch kaum noch einen Unterschied macht, da es Gebäudeisolierungen hier genauso wenig gibt wie Heizungen... Trotz des vermeintlichen Winterfeelings kommt hier allerdings von der Vorweihnachtszeit und den anstehenden Feiertagen wenig an. In der Schule und an den Wochenenden merkt man kaum einen Unterschied, alle sind beschäftigt wie immer, und so wirklich Zeit hat für diese ‚modernen westlichen‘ Feiertage dann doch keiner, denn Weihnachten hat in China eigentlich keine Tradition, sondern gilt einfach nur als schick und modern. In der Stadt sieht man hier und da ein bisschen Kitsch in den Schaufenstern, und der eine oder andere erledigt dann doch ein paar kleine Weihnachtseinkäufe. Interesse an Weihnachten besteht in China nämlich schon, und so kommt dann manchmal doch ein bisschen Stimmung auf, wenn ich von Schnee, echten Weihnachtsbäumen im Wohnzimmer, Adventskalendern, der Bescherung an Heiligabend erzähle oder wenn ich extra von Zuhause importierte Plätzchen verteile – Backöfen sind hier nämlich leider ebenfalls rar... Andere Prioritäten Von einem richtigen Weihnachtsfest können die meisten Chinesen dann allerdings meist nur träumen, denn hier gibt es andere Prioritäten. Anfang des neuen Jahres stehen mal wieder Prüfungen an, und deshalb geht es an Weihnachten weiter zur Schule. Heiligabend ist jedoch immerhin ein kleines Schulfest geplant. Am 1. Weihnachtstag ist dann allerdings wieder ganz normal bis mittags Unterricht. Da mir als Ausländer aber wenigstens das erspart bleibt, werde ich mich dann mit den anderen Austauschschülern hier in der Region zum Essen treffen, also ‚typisch chinesisch‘ Weihnachten feiern – denn was auch immer gefeiert wird: Essen steht hier immer an erster Stelle. Ein richtiges Weihnachtsfest gibt es also dieses Jahr für mich nicht, was schon ein bisschen schade ist. Dafür freue mich schon jetzt auf das Frühlingsfest und Chinesisches Neujahr im Februar und mache mir die Weihnachtszeit jetzt so weihnachtlich, wie das in China eben möglich ist."-cxn

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Beitrag von: Wochenpost
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