„Ich wollte Papst werden“Sonntag, 26. November 2017

Tobias Tiedeken arbeitet in der Pfarrei St. Laurentius in Warendorf als Krankenhausseelsorger. Foto Bistum Münster

SENDENHORST Ein kurzes Stoßgebet in der Kapelle, bevor er auf die Station geht: Das gehört für den Sendenhorster Tobias Tiedeken dazu. „Für mich ist jeder Patientenbesuch ein kleines Abenteuer. Ich weiß nie, was mich hinter der Tür erwartet“, sagt der 41-Jährige. Seit drei Jahren ist er Krankenhausseelsorger im Josephs-Hospital in Warendorf.

Für Menschen in Not da zu sein, das ist ihm ein Herzensanliegen, heißt es im Bericht das Bistums Münster. Er habe sich darum entschieden, diese Aufgabe weiter zu verstärken und Diakon zu werden. Am Sonntag, 26. November, wird er im St.-Paulus-Dom in Münster von Weihbischof Dr. Stefan Zekorn zum Diakon geweiht.

"Ich finde es wunderbar, dass der Kirche der Dienst am Nächsten so wichtig ist, dass sie dafür ein Amt benennt“, erklärt Tiedeken, der mit seiner Frau und drei Kindern in Sendenhorst wohnt. Vier Jahre lang hat er sich mit neun Kollegen auf diesen Schritt vorbereitet. Auch wenn Tiedeken schon als Kind für die Kirche arbeiten wollte, war sein Berufswunsch als kleiner Junge ungewöhnlich: „Ich wollte Papst werden“, erinnert er sich lachend. Mit 13 Jahren distanzierte er sich aber zunehmend von der „Institution Kirche“. Erst als junger Erwachsener besuchte er wieder regelmäßig den Gottesdienst. Er begann eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Als es auf die Zielgerade zuging, kam er aber ins Grübeln. „Ich stand vor der Entscheidung, in den Beruf einzusteigen oder das zu machen, was mich wirklich interessiert“, erklärt er. Er entschied sich für ein Religionspädagogik-Studium in Paderborn mit dem Berufsziel Pastoralreferent.

Krankenhausseelsorger

Als solcher ist er im Auftrag der Pfarrei St. Laurentius in Warendorf die meiste Zeit als Krankenhausseelsorger unterwegs. „Ich gebe den Patienten die Möglichkeit, von dem zu erzählen, was ihnen gerade wichtig ist“, sagt er. Manche sprächen über die Krankheit, über ihr Leben oder einfach über das jüngste Fußballspiel ihres Lieblingsvereins. „Es geht nicht darum, zu missionieren, sondern mich als Gesprächspartner anzubieten“, weiß Tiedeken. Der Schweigepflicht zu unterliegen und kein Familienmitglied zu sein, erlebe er häufig als Vertrauensvorschuss.

Durch die Weihe zum Diakon wird sich äußerlich kaum etwas verändern. „Meine Tätigkeit ist schon jetzt ausdrücklich diakonisch. Ich mache aber deutlich, dass ich auch in Zukunft Menschen in schwierigen Situationen begleiten möchte.“

Unter Druck

Neben den Patienten ist der künftige Diakon auch für die Mitarbeiter da. Oft ist er derjenige, der mal fünf Minuten stehen bleiben kann. „Die Pflegekräfte und Ärzte stehen enorm unter Druck, ein Problem unseres medizinischen Systems“, weiß er. Viele seien dankbar für ein kurzes Gespräch, auch wenn es nur zwischen Tür und Angel stattfindet. In verschiedenen Gremien des Hauses arbeitet Tiedeken mit, rückt die christliche Sichtweise in den Blick. Darüber hinaus koordiniert er das ehrenamtliche Engagement im Krankenhaus: Drei Begleiter in der Seelsorge, Kommunionhelfer und Ehrenamtliche im Besuchsdienst sind regelmäßig aktiv.

Die Kapelle gegenüber seines Büros ist für den 41-Jährigen ein wichtiger Ort. So gehe es auch anderen. „Es bewegt mich nach drei Jahren immer noch, dass täglich zwischen zehn und 30 Kerzen angezündet werden, verbunden mit einem Gebet, mit Bitten und Dank“, sagt er. Für all das, was Patienten, Angehörige und Mitarbeiter beschäftigt, möchte er auch als Diakon ein offenes Ohr haben. „Diese Begegnungen sind das Herz meiner Arbeit."

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Beitrag von: Dreingau Zeitung
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