Diethild Nordhues-Heese ist als Revierförsterin für 3000 Hektar Wald in der Umgebung zuständig. Foto: Schneider
SENDENHORST/ DRENSTEINFURT "Die beste Zeit für den Wald seit langem“ waren ausgerechnet die – mit einigen Ausnahmetagen – verregneten letzten Wochen. Diethild Nordhues-Heese, Leiterin des Forstbetriebsbezirks Sendenhorst, ist sich sicher, dass der Wald den Regen bitter nötig hatte.
Die für über 3000 Hektar Privatwald in Sendenhorst, Drensteinfurt und Ahlen zuständige Revierförsterin weiß, dass die Feuchtigkeit dem Wald gut tut, denn die Frühjahrsaufforstung braucht Wasser. Zwar sei der Boden für Waldarbeiten in den vergangenen Wochen zu nass gewesen, aber diese Arbeiten ließen sich auch auf den Herbst oder Winter verschieben.
Eichensterben
Ganz ungetrübt ist die forstliche Freude der Fachfrau aber nicht. Mit Sorge beobachtet auch sie das seit Jahren andauernde landesweite Eichensterben. Ausgelöst wird es durch Wassermangel, Raupenfraß und Befall durch den Mehltaupilz.
Den Eichenprozessionsspinner sieht Nordhues-Heese zudem „im Anmarsch“ auf heimische Eichenbestände. Die Raupen dieses Schmetterlings bilden Gespinste in den Baumkronen und fressen die Blätter der Eichen. Die Nesselhaare der Tier können auch für den Menschen gefährliche Hautreizungen auslösen. Die Försterin hofft, dass diese Insekten nicht in ihr Revier einfallen. Und bei dieser Hoffnung muss es wohl bleiben, den vorbeugend kann man gegen die fiesen Krabbler nicht aktiv werden. Erst wenn sie da sind, können sie durch die chemische Keule oder Absaugen bekämpft werden.
Borkenkäfer
Bei den Nadelbäumen bereitet der Revierförsterin der Borkenkäferfraß Sorgen. „Da sollte jeder Waldbesitzer ein Auge drauf haben“, sagt sie. Werden die befallenen Bäume braun, müssen sie aus dem Wald entfernt werden, betont die Fachfrau weiter.
Insgesamt sieht die in Westkirchen geborene Diplom-Forstingenieurin den Wald als „Generationenvertrag“. Entsprechend bietet sie für Waldbesitzer Beratungen in puncto Wiederaufforstung an, bei denen sie auch über entsprechende Fördermittel aufklärt. „Ihren“ Wald betreut Nordhues-Heese auch schon seit mindestens einer Generation: 1989 übernahm sie den Forstbezirk. In der Männerwelt der Forstleute und Waldbesitzer hatte sie keine Probleme. „Die haben sich an mich gewöhnt“, lacht die Försterin.
Vielfalt
Der nächsten Generation möchte sie den Wald gerne wieder näherbringen. Heutige Kinder wüchsen nämlich „fern der Natur“ auf, glaubt sie. Mit dem Computer könnten die Kids zwar prima umgehen, aber im Wald fänden sie sich nicht zurecht. Das soll sich ändern, meint die Försterin. „Wald mit allen Sinnen erfahren“ heißt ein Angebot, mit dem sie jungen Menschen die Vielfalt des Forstes näherbringen möchte. So zeigte sie jüngst den Tschernobyl-Kindern, die in Sendenhorst und Albersloh zu Gast waren, bei einem langen Spaziergang im Schatten der Bäume, wie der Wald riecht, schmeckt und klingt – damit der Generationenvertrag fortgeschrieben werden kann. jan