"Der Wille muss da sein"Samstag, 14. Januar 2012

Schiedsfrau Eva Haase versucht seit einem Jahr, Streitigkeiten zu schlichten. Foto Evering

SENDENHORST Ein offenes Ohr muss man haben, außerdem gut zuhören und neutral bleiben können. Wer diese Eigenschaften und zusätzlich noch etwas Zeit mitbringt, der ist für das Amt einer Schieds-person grundsätzlich gut geeignet. Eva Haase hat diese Aufgabe für Sendenhorst vor genau einem Jahr übernommen und in dieser Zeit schon zu so mancher friedlichen Einigung beitragen können.

In Sendenhorst ist Eva Haase keine Unbekannte. Sie war 22 Jahre in der Verwaltung der Realschule beschäftigt und ist noch heute für die katholische Kirchengemeinde engagiert. Manchmal begegnet ihr auch in ihrem neuen Amt als Schiedsfrau ein vertrautes Gesicht. „Für einige bedeutet es vielleicht eine höhere Hemmschwelle, dass sie mich kennen. Andere schütten mir deshalb erst recht ihr Herz aus“, erzählt die 64-Jährige.

Seminare besucht

Eine juristische Vorbildung ist für dieses Amt nicht notwendig. In mehreren Seminaren, die unter anderem Nachbarschaftsrecht, Mediation oder das formale Vorgehen zum Inhalt hatten, wurde Eva Haase für ihre neue Tätigkeit geschult. „Es macht mir auch einfach Spaß, Neues zu lernen und mit anderen Menschen zusammenzukommen“, weiß Eva Haase genau, warum sie sich damals dafür entschieden hat, den Posten von Jürgen Eisenblätter zu übernehmen. Dass diese Aufgabe manchmal sehr zeit-intensiv ist, wusste Eva Haase vorher. „Eine Freundin von mir war zehn Jahre lang Schiedsperson. Da habe ich schon einen Eindruck davon bekommen können.“ Für fünf Jahre ist die achtfache Großmutter vom Stadtrat ins Amt gewählt worden, eine zweite Amtszeit wäre möglich.

Meist nehmen die „Streithähne“ zuerst Kontakt übers Telefon mit Eva Haase auf. „Häufig kann ich dann schon erste Ratschläge geben, so dass es gar nicht erst zu einer Verhandlung kommen muss“, sagt sie. Das ist für die gebürtige Sendenhorsterin sowieso das Schönste: Wenn sich beide Parteien schließlich untereinander einigen, ohne dass Eva Haase offiziell eingreifen musste. „Dann begegnen mir diese Menschen manchmal auf der Straße, lächeln mir freundlich zu – und ich weiß, dass die Sache am Ende gut ausgegangen ist.“

Verschiedene Vorwürfe

In fünf Fällen hat es mit einer solchen inoffiziellen Einigung nicht geklappt, es musste ein Schiedsverfahren eröffnet werden. Die Verhandlungen finden im Sendenhorster Rathaus statt; nur Eva Haase, die beiden streitenden Parteien und eventuell noch deren Anwälte sind anwesend. Beleidigung oder Hausfriedensbruch lauten etwa die Vorwürfe. „Ich kann dabei nichts entscheiden“, beschreibt die Schiedsfrau ihre Aufgabe. „Ich versuche, beide Seiten auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu bringen.“ Manchmal gelingt das, manchmal ist die Situation zu festgefahren. „Da kann ich dann nichts ausrichten. Der Wille, zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen, muss da sein.“

Schiedsfrau Eva Haase hat immer am letzten Freitag im Monat von 9 bis 12 Uhr Kontaktstunde. Dann ist sie unter Tel. (02526) 1271 erreichbar.

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Beitrag von: Nicole Evering
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