4800 GiftstoffeSonntag, 03. Dezember 2017

Manfred Gesch von der Drogenberatungsstelle weist auf die möglichen Gefahren des Shisha-Rauchens hin. Foto dpa

KREIS WARENDORF Shisha-Rauchen ist Trend unter Jugendlichen. Doch kaum jemand weiß über die Gefahren Bescheid. Unsere Redakteurin Silke Diecksmeier hat sich mit Manfred Gesch von der Fachstelle für Suchtverbeugung im Arbeitskreis Jugend- und Drogenberatung im Kreis Warendorf unterhalten.

Wie verbreitet ist der Shisha-Konsum im Kreis Warendorf?

Gesch: Wir haben im vergangenen Jahr im Rahmen einer Schülerbefragung 1160 Schüler der Jahrgänge sechs, acht und zehn nach ihren Konsumgewohnheiten befragt. Dabei haben 20 Prozent angegeben, im vergangenen halben Jahr eine Shisha geraucht zu haben. In der Altersgruppe von 16 bis 18 Jahren waren es sogar 38 Prozent. Das ist schon relativ viel. Allerdings ist der Dauerkonsum im Vergleich zum Zigarettenkonsum wesentlich geringer.

Was versteht man unter Dauerkonsum?

Gesch: Dauerkonsum bedeutet, dass man regelmäßig bis hin zu täglich ein Genussmittel zu sich nimmt. Beim Konsum der Shisha handelt es sich jedoch oft um ein Gruppenerlebnis. Das ist ein ganz anderer Rahmen als beim Zigarettenrauchen. Es kommt schon vor, dass man Jugendliche fragt, ob sie rauchen und sie „nein“ sagen. Wenn man sie dann auf die Wasserpfeife anspricht, dann meinen sie „Ach ja, Shisha schon!“

Welche Gefahren birgt die Shisha?

Gesch: Der Genuss einer Wasserpfeife unterscheidet sich in keiner Weise vom Nikotinkonsum. Die Nutzer nehmen damit etwa 4800 Giftstoffe zu sich, darunter zwischen 70 und 240 krebserregende Stoffe. Zudem muss man wissen, dass man den Rauch mit der Shisha wesentlich intensiver einatmet als mit der Zigarette.

Ist auch die Gefahr einer Abhängigkeit vorhanden?

Gesch: Da muss man unterscheiden. Aber die meisten Tabaksorten sind ja auch nikotinhaltig. Zudem setzt durch das entspannte Ambiente ein Gewöhnungseffekt ein. Das will man sich dann immer wieder gönnen.

Wie geht die Drogenberatungsstelle mit dem Thema um?

Gesch: In der klassischen Beratung haben wir keine Shisha-Konsumenten. Allerdings geht es im Rahmen der Prävention auch um dieses Thema, zum Beispiel in unserem  Projekt „Hanf Dampf“ oder bei Elternveranstaltungen. Wir müssen einfach ein Bewusstsein dafür erzeugen.

Sind die Nutzer über die Risiken, beispielsweise auch über die Gefahr einer Kohlenmonoxidvergiftung, informiert?

Gesch: Es kommt darauf an, wie sehr sich die Konsumenten damit beschäftigt haben. Für viele Leute ist es kein großartiges Thema. Der Gefährdungsaspekt bei jugendlichen Konsumenten  ist zweit-, dritt- oder viertrangig. Im Vordergrund steht das Gruppenerlebnis und die Entspannung.

Fügen Sie diesen Artikel zu den folgenden Social-Bookmarking-Diensten hinzu:
Delicious Facebook Twitter Google Kledy LinkArena Mister Wong MySpace OneView StudiVZ Webnews Yahoo Yigg
Beitrag von: Silke Diecksmeier
Zurück

Einen Kommentar schreiben



Bitte geben Sie die Buchstabenreihe im unteren Bild in das Textfeld über dem Absenden-Button ein.





Es sind noch keine Leserkommentare vorhanden, warum schreiben Sie nicht den ersten?
Dreingau Zeitung - 4800 Giftstoffe