Spaß aus dem NichtsSonntag, 05. August 2012

Käte Merten präsentiert das einst sehr beliebte, namenlose Fadenspiel. Foto Schneider

RINKERODE „Man musste ja aus Nichts was machen“, sagt Käte Merten, wenn sie sich an die Spiele ihrer Jugend erinnert. Die Wahl-Rinkeroderin wuchs in den 1950er Jahren mit drei Schwestern und einem Bruder im Rheinland auf. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Dr. Horst Merten leitet sie im Davertdorf heute das Mühlenmuseum.

Dort sorgte eines ihrer alten Spiele beim Mühlentag 2009 für einiges Aufsehen. Kinder zeigten nämlich jenes namenlose Fadenspiel, an das sich neben Käte Merten noch viele Frauen erinnern dürften. Dabei wird zwischen den Fingern beider Hände ein verknoteter Faden gespannt. Durch geschicktes Umgreifen und genaues Abnehmen entwickelt sich dabei nach und nach aus der simplen Kordel ein komplexes Gebilde. Man kann auch zu zweit spielen und das stets neue, filigrane Kunstwerk immer wieder vorsichtig übergeben. Und man kann Geschichten zu den Fadenfiguren erzählen.

Beim Mühlentag begeisterte eine Grundschülergruppe die Besucher mit solchen Geschichten, zu denen sie die passenden Fadenbilder vorführte. Sogar ein „Eiffelturm“ entstand so. Kein Wunder, dass bald die gesamte Grundschule wissen wollte, wie dieses Spiel ging. „Das schlug ein wie eine Bombe“, erinnert sich Käte Merten noch heute lachend. Früher hätten sie alle in der Schule unter den Bänken die Fäden gezogen, sagt sie. Vielleicht hat sie bei jungen Rinkeroderinnen die Begeisterung dafür ja wieder geweckt.

„Die Probe“

Auch andere Spiele „aus dem Nichts“ kommen Käte Merten in den Sinn. Zum Beispiel „Die Probe“. Dabei musste ein Ball jeweils zehn Mal an eine Wand geworfen werden. Kein Problem? Oh doch, denn nur im ersten Durchgang wurde der Ball mit der Hand geführt, danach folgten Kopf oder Ellenbogen. Fiel der Ball runter, war „Die Probe“ nicht bestanden worden, und der nächste Teilnehmer kam dran. Gespielt wurde mit Bällen in allen Größen, vom Tennisball aufwärts. „Das haben wir stundenlang gemacht“, weiß Käte Merten. Geübt wurde alleine. Zum Wettbewerb, dessen genaue Vorgaben vorher natürlich festgelegt wurden, gehörten dann mindestens zwei Spiele.

Ein anderes Spiel, an das sich die Museumsleiterin gut erinnert, schulte nicht das Ballgefühl, sondern die Kommunikation. „Ich bin ein Kaufmann aus Paris“ hieß dieser Zeitvertreib. Ein Spieler stellte sich mit diesen Worten vor und fuhr fort: „ ...hab‘ wunderschöne Sachen. Verbiete mir das Ja und Nein, das Weinen und das Lachen. Rot und Grün ist ausverkauft. Was wünschen Sie von meinen Sachen?“. Der pfiffige Kaufmann wollte seine Gegenspieler natürlich dazu bringen, die verbotenen beziehungsweise ausverkauften Worte zu benutzen, denn dann hatten sie verloren.

In der Badewanne

Immer mehr alte Spiele fallen Käte Merten ein. Sie erinnert sich an Hinkepinke, das beliebte Pausenspiel, bei dem man einen Stein über ein Zahlenfeld treiben muss, oder an Völkerball. Und an das Schreibspiel „Onkel Fritz sitzt in der Badewanne“. Dabei mussten die Teilnehmer die Geschichte von Onkel Fritz jeweils eine Zeile lang fortspinnen und diese dann umknicken. War das Blatt voll, wurde unter schallendem Gelächter vorgelesen, was dem Herrn in der Wanne so passiert ist.

Diese Erinnerungen führen die Museumsleiterin zu einem ernüchternden Vergleich zwischen alten und neuen Spielen. „Es ist heute alles teuer“, findet sie. Heute müsse man für alle möglichen Spiele zunächst das richtige Outfit und entsprechendes Spielmaterial teuer kaufen. Früher sei das billiger gewesen. Merten: „Die Wirtschaft hat dieses Loch erkannt.“

Fügen Sie diesen Artikel zu den folgenden Social-Bookmarking-Diensten hinzu:
Delicious Facebook Twitter Google Kledy LinkArena Mister Wong MySpace OneView StudiVZ Webnews Yahoo Yigg
Beitrag von: Jan Schneider
Zurück

Einen Kommentar schreiben



Bitte geben Sie die Buchstabenreihe im unteren Bild in das Textfeld über dem Absenden-Button ein.





Es sind noch keine Leserkommentare vorhanden, warum schreiben Sie nicht den ersten?