Rote Hände gegen FrackingSamstag, 10. März 2012

Stefan Henrichs, Sprecher des neu gegründeten Vereins BIGG, möchte, dass Mitbürger künftig mit „Rote-Hand-Schildern“ optisch ein Zeichen gegen Gasbohren oder Fracking auf ihrem Grundstück setzen. Foto: Schneider

DRENSTEINFURT Drensteinfurt • Die Bürgerinitiative gegen Gasbohren (BIGG) begleitet seit mehr als einem Jahr kritisch die Pläne von Energieunternehmen, die auch in der Nähe von Drensteinfurt unkonventionelle Erdgasförderung durch ein Fracking genanntes Ausspülverfahren vorsehen. Die Dreingau Zeitung sprach mit dem BIGG-Vorsitzenden Stefan Henrichs über die Perspektiven und die künftigen Aktivitäten.

Die BIGG ist jetzt ein Verein. Warum?
Stefan Henrichs: Wir wollten unserem Ansinnen Nachdruck verleihen und zeigen, dass die Bevölkerung gegen diese Art der Erdgasgewinnung ist. Der zweite Grund ist finanzieller Art: Unsere Arbeit beginnt, Geld zu kosten. Durch die Anerkennung der Gemeinnützigkeit erhoffen wir uns Spenden.

Wie viele Mitglieder hat der neue Verein?
Henrichs: Wir haben 14 Gründungsmitglieder. Wir arbeiten noch an der Satzung und warten auf die Anerkennung der Gemeinnützigkeit durch das Finanzamt. Neue Mitglieder nehmen wir erst auf, wenn diese Anerkennung erfolgt ist.

Wie sieht die BIGG-Zielsetzung aus – auch mit Hinblick auf die kritische Distanz zum Gasbohren, die die Landesregierung erkennen lässt?
Henrichs: Zurzeit begleitet die BIGG die Erstellung eines Landesgutachtens zum Gasbohren in einem Arbeitskreis. Ein BIGG-Vertreter war beim ersten Treffen am 23. Februar dabei. Ich glaube, dass dieses Gutachten auch eine Wirkung auf Bundesebene haben wird. Fraglich bleibt, wie weitreichend dieser Einfluss  sein kann.

Wie meinen Sie das?
Henrichs: Niedersachsen ist bislang wenig kritisch gewesen, was das Thema Gasbohren anbelangt. Aber da scheint sich etwas in der Haltung der Politiker dort zu verändern. Konkrete Planungen, nach unkonventionellem Erdgas zu suchen, gibt es sonst nur noch in Thüringen und Baden-Württemberg. Von den anderen Bundesländern hört man eigentlich gar nichts. Daher scheint es mir fraglich, ob sich die erfreulich skeptische Haltung der NRW-Regierung auf Bundesebene durchsetzen wird.

Wie bewertet die BIGG die Ergebnisse der unabhängigen Expertenrunde zum Thema?
Henrichs: Keine leichte Frage (schmunzelt). Wenn der Expertenkreis feststellt, dass Fracking aus verschiedenen Gründen nicht geht, würde ich mich darüber natürlich freuen. Ich habe da aber meine Zweifel. Selbst wenn das Ergebnis lauten würde, dass Fracking nicht ausgeübt werden kann, würde sich ExxonMobil daran halten. Für andere Firmen hat dieser Beschluss aber keine bindende Wirkung. Inwieweit er auf die Landes- oder Bundespolitik Einfluss hat, ist offen.

Warum nimmt die BIGG an den Gesprächen der Expertenrunde denn nicht teil?
Henrichs: Wir nehmen nicht daran teil, weil wir die Ergebnisoffenheit dieser Gespräche anzweifeln und die Gespräche nur auf Exxon beschränkt sind.

Wie konkret ist in Ihren Augen die Möglichkeit, dass bei Rinkerode tatsächlich gebohrt und gefrackt wird?
Henrichs: Wenn man sich mal an die Info-Veranstaltung der Stadt Drensteinfurt gemeinsam mit Exxon Ende 2010 erinnert: Damals gab es einen konkreten Zeitplan, nachdem im April 2011 die ersten Probebohrungen schon abgeschlossen sein sollten. Bis zum 23. Februar hatte ich eigentlich große Sorge, dass es wieder recht konkret werden kann, weil Exxon in Nordwalde einen zweiten Antrag auf Probebohrungen gestellt hatte. Wäre er genehmigt worden, hätte ich befürchtet, dass Bohren bei Drensteinfurt auch wieder auf die Tagesordnung kommt. Zum Glück ist der Antrag nicht genehmigt worden.

Wie sieht die BIGG den möglichen Gasabbau im Feld „Donar“ durch ein anderes Energieunternehmen?
Henrichs: Wir machen keinen Unterschied zwischen dem „Donar“-Feld und Orten, wo Exxon explorieren möchte. Wir lehnen die unkonventionelle Suche nach Erdgas generell ab, wie sie auch in „Donar“ möglich wäre.

Welche Aktionen plant die BIGG in nächster Zeit?
Henrichs: Wir haben die Aktion „Weder hier noch anderswo“ ins Leben gerufen. Sie basiert auf einem Ratsbeschluss der Stadt Hagen, in dem festgelegt wurde, keine städtischen Grundstücke für die Erdgasförderung zur Verfügung zu stellen. Unsere Idee ist nun, dass ja nicht nur Städte einen solchen Beschluss fassen können. Jeder Bürger kann sagen „Nicht auf meinem Grundstück“. Ganz egal, ob das zum Gasbohren in Frage kommt oder nicht. Es soll jeder die Möglichkeit haben, flächendeckend ein Zeichen des Protests zu setzen. Dafür sind jetzt die „Rote-Hand-Schilder“ da.

Wo gibt’s die denn?
Henrichs: Künftig wird man sie über die BIGG beziehen können. Man kann sie sich natürlich auch selbst bauen. So kann man den Kampf gegen das Gasbohren auch optisch unterstützen.

Welche BIGG-Aktivitäten gibt es sonst noch?
Henrichs: Wir haben einen Bürgerantrag gestellt, dass auch die Stadt Drensteinfurt beschließen möge, keine städtischen Grundstücke zum Gasbohren zur Verfügung zu stellen. Selbst wenn die Stadt keine entsprechenden Grundstücke hat, sehe ich in der Befürwortung des Antrags starke Symbolkraft. jan

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Beitrag von: Jan Schneider
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