Der gebürtige Ahlener Christian Süß will nach einer langen Pause bei der Weltmeisterschaft angreifen. Foto: pr
DRENSTEINFURT/AHLEN Bei der Tischtennis-Mannschafts-WM, die vom 25. März bis zum 1. April in den Westfalenhallen Dortmund stattfindet, will Christian Süß mit dem Nationalteam die scheinbar unbesiegbaren Chinesen vom Thron stoßen und Geschichte schreiben. Denn Mannschafts-Weltmeister war Deutschland noch nie. Die Asiaten haben den Titel zuletzt fünf Mal in Serie gewonnen und sind auch diesmal Top-Favorit. Kurz vor der WM lieferte sich Matthias Kleineidam einen Schlagabtausch mit dem 26 Jahre alten Süß, der in Ahlen geboren wurde und von 1991 bis 1998 beim TTC GW Bad Hamm spielte.
Die Weltmeisterschaft im eigenen Land – für Sie was ganz Besonderes?
Christian Süß: Ja, natürlich. Ich habe es zwar schon ein Mal erlebt – 2006 bei der Team-WM in Bremen, als wir im Halbfinale gegen China ausgeschieden sind und Bronze geholt haben –, aber Dortmund ist schon einen Tick näher an meiner Heimat. Da will ich noch erfolgreicher sein.
Wie lief die Vorbereitung auf die Heim-WM?
Süß: Soweit ganz gut, es gab keine Komplikationen. Bei den Nationalen Deutschen Einzelmeisterschaften in Berlin hatte ich den späteren Sieger und meinen Nationalmannschaftskollegen Bastian Steger im Halbfinale am Rande einer Niederlage und habe unglücklich in sieben Sätzen verloren. Ansonsten standen Kaderlehrgänge der Nationalmannschaft an.
Sie waren aufgrund einer eine Knorpelverletzung im rechten Knie, die Sie sich im Juni zugezogen haben, lange verletzt. Sind Sie nach der monatelangen Pause wieder topfit?
Süß: Ich bin mittlerweile wieder ziemlich gut dabei und ganz zufrieden mit dem Verlauf. Allerdings hatte ich Trainingsrückstand im Vergleich zu den anderen. Aber ich habe viel trainiert – bei den Lehrgängen fünf, sechs Stunden am Tag – und bin optimistisch.
Was haben Sie in der Tischtennis-freien Zeit gemacht?
Süß: Die Zeit war nicht ganz so einfach für mich. Nach der Verletzung, der schwerwiegendsten meiner Karriere, durfte ich sechs Wochen lang kaum etwas machen. Ich bin zur Reha gefahren, habe mein anderes Bein und den Oberkörper trainiert.
Europameister und Vize-Weltmeister im Doppel und mit der Mannschaft waren Sie schon. Olympia-Silber mit dem Team gab es vor vier Jahren – wird es nicht langsam mal Zeit für einen ganz großen Titel?
Süß: Die WM ist schon eine Nummer größer. Jeder träumt vom Titel. Aber die Chinesen sind so stark, so ausgeglichen besetzt, dass es sehr schwierig für uns wird. Bei der letzten Mannschafts-WM in Moskau war das Finale aber lange offen. Damals haben wir 1:3 gegen China verloren.
Die Deutschen sind an Nummer zwei gesetzt, können erst im Finale auf Topfavorit China treffen. Ist das Endspiel daher Pflicht?
Süß: Mit der Einstellung kann man nicht ins Turnier gehen. Der Druck ist groß bei einer Heim-WM. Zudem gibt es genug andere Mannschaften auf der Welt, die gut sind und uns den Rang als China-Jäger Nummer eins ablaufen wollen. Wir müssen von Spiel zu Spiel denken.
Wie schätzen Sie die Grupppengegner – Tschechien, Spanien, Singapur, den EM-Dritten Portugal und Serbien – ein?
Süß: Die Gruppe ist okay, es hätte deutlich unangenehmer werden können. Wir sind die beste Mannschaft und sollten als Sieger aus der Gruppe hervorgehen.
Ist es ein Vorteil, nicht so im Fokus zu stehen wie Deutschlands Tischtennis-Aushängeschild Timo Boll?
Süß: Für uns andere ist es sicherlich ein bisschen einfacher als für Timo. Er hat mehr Stress und steht noch mehr unter Druck.
Welche Kontakte haben Sie noch nach Ahlen?
Süß: Meine Familie wohnt in Ahlen, außerdem habe ich dort noch ein, zwei Bekannte aus der Schulzeit. Aber die Zeit lässt es nicht zu, öfter als alle zwei Monate ein Mal nach Ahlen zu fahren.
Und nach Hamm?
Süß: Eher weniger. Bei GW Bad Hamm habe ich nur gespielt, Kontakte zum Verein habe ich keine.
Gibt es kurz vor einer WM eigentlich noch etwas anderes in Ihrem Leben als Tischtennis?
Süß: Es ist relativ schwer, sich abzulenken. Wegen des Trainings und des Wettkampfs mit dem Klub blieb wenig Zeit für anderes.
Name: Christian Süß
geboren: 28. Juli 1985
Geburtsort: Ahlen
Familienstand: ledig (Lebensgefährtin Elke Schall)
Wohnort: Düsseldorf
Verein: Borussia Düsseldorf (seit Juli 2001, Vertrag bis 30. Juni 2013)
frühere Vereine: TTC GW Bad Hamm (1991-1998), TSG Dülmen (1998-1999), TTC Altena (1999-2001)
Weltrangliste: Platz 49 (höchste Notierung: 17)
größte Erfolge: mehrmaliger Deutscher Meister mit Düsseldorf und im Doppel, Deutscher Einzelmeister, Champions-League-Sieger und Deutscher Pokalsieger mit Düsseldorf, mehrmaliger Europameister im Doppel und mit der Mannschaft, mehrmaliger WM-Zweiter mit der Mannschaft und im Doppel, Silbermedaille bei den Olympischen Spiele 2008 in Peking mit der Mannschaft, Jugend-Europameister im Einzel, mit der Mannschaft und im Mixed
Bei der Team-Weltmeisterschaft, die alle zwei Jahre stattfindet, kämpfen von Sonntag an in Dortmund 24 Herren-Mannschaften um den Titel und Medaillen. Die Gewinner der vier Vorrunden-Gruppen sind automatisch für das Viertelfinale qualifiziert, die Gruppen-Zweiten und -dritten kämpfen im Achtelfinale um ein Ticket für die Runde der letzten acht. Für Deutschland spielen Timo Boll, Patrick Baum, Christian Süß (alle Düsseldorf), Dimitrij Ovtcharov (Orenburg, Russland) und Bastian Steger (Saarbrücken).
Vorrunde:
Sonntag, 25. März
13 Uhr: gegen Tschechien
20 Uhr: gegen Spanien
Montag, 26. März
19 Uhr: gegen Singapur
Dienstag, 27. März
19 Uhr: gegen Portugal
Mittwoch, 28. März
16 Uhr: gegen Serbien
K.-o.-Runde
Donnerstag, 29. März
Achtelfinale, 20 Uhr
Freitag, 30. März
Viertelfinale, 16 Uhr
Samstag, 31. März
Halbfinale, 13 Uhr
Sonntag, 1. April
Finale, 13.30 Uhr