Schützen-Spaß für alleMittwoch, 01. August 2012

Das noch amtierende Königspaar Jürgen und Karin Schlatmann (im Bild) sowie Pressesprecherin Berry Hellweg standen Rede und Antwor. Foto: pr t

RINKERODE Das Schützenwesen nimmt gerade in den ländlichen Gebieten des Münsterlandes einen hohen Stellenwert ein. Das ist in Rinkerode nicht anders. Hier wurde 1925 die Hubertus-Schützengilde Lebensfreude gegründet, die aber weithin besser unter dem Namen Schlieker-Schützen bekannt ist und heute rund 300 Mitglieder hat. Vom 3. bis 5. August wird im Davertdorf wieder groß gefeiert. Im Interview erzählen das noch amtierende Königspaar Jürgen und Karin Schlatmann sowie Pressesprecherin Berry Hellweg, wie viel Arbeit ein Schützenfest macht, wer König werden kann und was das Besondere an den Schlieker-Schützen ist.

Wie hat sich die Hubertus-Schützengilde gegründet?
Berry Hellweg: Derjenige, der immer den Vogel für die Schützengilde 1840 gebaut hat, ist gestorben. Sein Sohn hat diese Aufgabe dann übernommen ohne zu wissen, dass sein Vater für den Sommer schon einen Vogel fertigge stellt hatte. Also gab es plötzlich zwei Holzvögel ...
Karin Schlatmann: ... und es wäre zu schade gewesen, den zweiten einfach wegzuwerfen. Da hat man sich kurzerhand überlegt, in der Bauerschaft ein zweites Schützenfest zu organisieren. Das war 1925. So sind die Schlieker-Schützen entstanden.

Was unterscheidet die Schlieker von anderen Schützenvereinen in der Region?
Jürgen Schlatmann: Man kann sagen, dass wir nicht einen so hohen militärischen Anspruch haben, bei uns geht es nicht ganz so „zackig“ zu. Wir haben auch keine konkrete Hierarchie, keine Avantgarde. Bei uns sind alle Mitglieder die Kompanie. Die Familie und die Freude an der Geselligkeit stehen im Vordergrund.

Gibt es in Rinkerode unter den beiden Schützenvereinen eigentlich eine Art Wettkampf um Mitglieder?
Hellweg: Wir wollen keine Konkurrenz sein, sondern eine Alternative. Einen Wettstreit zwischen den Vereinen gibt es überhaupt nicht.
K. Schlatmann: Viele Bürger sind sowieso Mitglied in beiden Schützenvereinen.
J. Schlatmann: Und das Problem, Nachwuchs zu finden, haben leider fast alle Vereine. Heute gibt es so viele verschiedene Möglichkeiten, seine Freizeit zu gestalten. Der Bedarf am traditionellen Schützenwesen scheint da nicht mehr ganz so groß zu sein – was sehr schade ist.

Was tut der Verein, um Kinder und Jugendliche für das Schützenwesen zu begeistern?
K. Schlatmann: Für die Jugend ab 16 ist unser Kartoffelkönigschießen am Freitagabend interessant. Mit dem Titel gehen keinerlei Verpflichtungen einher, aber man bekommt einen eigenen Fahnenschlag, eine Königskette und sogar eine Prämie. Da darf man sich einmal als „Held des Abends“ fühlen.
Hellweg: Und während des Vogelschießens am Samstag gibt es ein buntes und kindgerechtes Rahmenprogramm samt Ermittlung des Kinderkönigs. Uschi Barth und Erhard Woesmann kümmern sich seit vielen Jahren immer mit ganz viel Engagement um die kleinen Gäste. Ihnen gilt ein besonders großes Dankeschön.
J. Schlatmann: Außerdem haben wir auf unserer letzten Generalversammlung den Vorstand um zwei junge Beisitzer erweitert. Sie sollen so langsam an die Arbeit herangeführt werden.

Apropos Arbeit: Wie viel Zeit wird in das alljährliche Schützenfest investiert?
J. Schlatmann: Viele Termine sind über das ganze Jahr verteilt – etwa das Buchen der Bands, die Festlegung auf einen Festwirt oder die Weinprobe. Im Sommer gilt es dann, repräsentative Pflichten zu erledigen, auf allen anderen Schützenfesten in der Umgebung vertreten zu sein. Und eine Woche vor dem Fest wird das Dorf geschmückt, der Platz auf Vordermann gebracht. Die Wiese muss gemäht, der Kugelfang gestrichen, das Zelt aufgebaut werden.

Und wer kann in der Schliek Schützenkönig werden?
J. Schlatmann: Das kann eigentlich jeder. Und es ist gar nicht so teuer, wie manch einer denkt. Zur Not greift der Verein dem König bei den Ausgaben unter die Arme.

Wird eigentlich schon im Vorfeld festgelegt, wer den Königsschuss abgibt?
K. Schlatmann: Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal gibt‘s einen echten Zufallskönig. Manchmal weiß man aber schon, dass jemand es in diesem Jahr unbedingt werden möchte. Dann halten sich alle anderen ein bisschen zurück.

Warum haben Sie Ihr Schützenfest vom Mai wieder in den August verlegt?
J. Schlatmann: Unser Schützenfest hat früher schon im August stattgefunden. Dann kamen immer weniger Besucher, zum einen wegen der Erntezeit, zum anderen wegen der Ferien. Daraufhin haben wir vor etwa zehn Jahren das Fest in den Mai vorgezogen.
K. Schlatmann: Aber da hat uns das Wetter häufig einen Strich durch die Rechnung gemacht. Teilweise mussten wir das Zelt sogar beheizen, was zusätzliche Kosten bedeutete. Deshalb feiern wir jetzt also wieder im August.

Noch einmal zusammengefasst: Warum lohnt sich am Wochenende ein Besuch beim Schlieker-Schützenfest?
J. Schlatmann: Schützenfest bedeutet einfach ganz viel Spaß. Außerdem kann man viele Kontakte knüpfen.
K. Schlatmann: Es ist einfach schön, sich für den Königsball schick zu machen. Und auch im langen Kleid kann man so richtig abrocken! Aber ein solches Fest steht und fällt mit den Vereinsmitgliedern und allen anderen Gästen. Deshalb hoffen wir auf viele, viele Besucher im Schliek.

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Beitrag von: Nicole Evering
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