Nur aus Schaden wird man klugFreitag, 03. Februar 2012

Dr. Manfred L├╝ck misstraut der Fracking-Technik gr├╝ndlich. Foto Schneider

MÜNSTER/DRENSTEINFURT An den Wilden Westen fühlte sich Dr. Manfred Lück erinnert, als er jetzt manchen Ausführungen beim fünften Treffen des „Arbeitskreises gesellschaftlicher Akteure“ zum Thema Fracking lauschte. Der Drensteinfurter nimmt auf Bitte von Bürgermeister Paul Berlage an den Sitzungen teil, da per Fracking-Methode auch bei Rinkerode vielleicht einmal Erdgas gewonnen werden könnte.

Die Wildwest-Assoziationen keimten in Dr. Lück auf, während in der Münsterschen Johanniter-Akademie Experten von einem USA-Besuch im Januar berichteten. Eine achtköpfige Gruppe hatte dort Fracking-Standorte besucht. Die Wissenschaftler beschrieben eine Erdöl- und Erdgasindustrie, die einst durch Präsident Bush von Umweltauflagen befreit worden ist. Es wurde auf niedrigere technische Standards als in Deutschland verwiesen.

"Verunreinigungen von Trink-, Grund- und Oberflächenwasser (…) infolge von Fracking und diffuse Methanfreisetzungen verwundern angesichts der niedrigen Standards und der unzureichenden Überwachung von Tausenden von Fracking-Operationen nicht“, hieß es im Erfahrungsbericht. Man beuge weniger vor, sondern lerne eher aus Schäden.

Theoretisch möglich

Allerdings seien die Erfahrungen aus den USA nicht auf Deutschland übertragbar, so Delegationsmitglied Prof. Dr. Alexander Roßnagel. Gesetze, Stand der Technik, Behörden-Ausstattung, Industriestruktur und Besiedlungsdichte seien dafür zu unterschiedlich. „Die in den USA eingetretenen Umweltschäden sind jedoch auch hier theoretisch vorstellbar“, heißt es dann aber warnend in den Schlussfolgerungen des Expertenkreises.

„Alle meine schlimmsten Befürchtungen wurden übertroffen“, erklärte daraufhin Dr. Lück. Seine Vorbehalte gegenüber der Fracking-Technologie sah er auch nicht durch den anschließenden Vortrag zur Inanspruchnahme von Flächen bei dieser Methode der Gasgewinnung ausgeräumt. Dipl.-Ing. Helmut Schneble erklärte bei seinem Referat nämlich abschließend: „Der einzelne Bohrplatz hätte nur begrenzte Auswirkungen. Eine flächendeckende Förderung von Schiefergas könnte jedoch zu einer industriellen Zersiedelung führen, wenn sie nicht genau koordiniert wird.“

„Was macht das mit den Menschen, die aufs Land gezogen sind?“, fragte sich Dr. Lück angesichts dieser Perspektiven. Insbesondere verwies er im Gespräch mit der DZ auf die vielen Neubürger in Rinkerode. Nur die Politik könne bei der Gasförderung dem Exxon-Konzern Grenzen setzen, forderte er.

Giftige Chemikalien

Weiteres wichtiges Thema beim Treffen des Arbeitskreises war die Frage, wie giftig die den jeweiligen Bodenbeschaffenheiten angepassten Frack-Flüssigkeiten denn nun eigentlich sind. Die Experte kamen dabei zu dem Schluss, dass Chemikalien, aus denen bis zu fünf Prozent dieser Flüssigkeiten bestehen, „als gefährliche Stoffe einzustufen sind“. Wegen der Verdünnung der Chemikalien in der Frack-Flüssigkeit sei diese jedoch insgesamt nicht als gefährlich zu werten.

Gefahren durch Frack-Flüssigkeiten sahen die Experten weniger bei der Gas-Ausspülung („ein geschlossenes System“) als bei oberirdischen Transport- und Lagerunfällen. Prof. Ulrich Ewers, Hygiene-Institut des Ruhrgebiets, wies zudem darauf hin, dass ihm mittlerweile Ersatzstoffe vorlägen, die ExxonMobil nach eigener Aussage in Zukunft statt der Chemikalien einsetzen wolle. Exxon-Vertreter im Auditorium bestätigten dies.

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Beitrag von: Jan Schneider
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