"Müssen Ängste abbauen"Samstag, 18. Februar 2012

Ingo Stude ist neuer Erster Vorsitzender der SPD Drensteinfurt. Foto Evering

DRENSTEINFURT Ingo Stude hat einen steilen Aufstieg hinter sich. Erst 2010 ist er der Drensteinfurter SPD beigetreten, Anfang 2011 übernahm er das Amt des Stellvertretenden Vorsitzenden. Auf der Mitgliederversammlung am 26. Januar wurde der 43-Jährige dann zum Nachfolger von Diana Geldermann gewählt. Im Interview mit DZ-Redakteurin Nicole Evering bezieht Ingo Stude Stellung zur Sekundarschule, benennt seine Stärken und verrät, welchen Job er sich für seinen Sohn vorstellen könnte.

Herr Stude, innerhalb von nur drei Jahren hat die SPD Drensteinfurt nun den dritten Vorsitzenden. Hat das Unruhe in die Partei gebracht?
Ingo Stude: Eigentlich gar nicht. Wir hatten uns ein bisschen Sorgen wegen der Außenwirkung gemacht. Aber ich kann versichern, dass niemand aufgrund irgendwelcher Animositäten gegangen ist, sondern dass private Gründe ausschlaggebend für die Umzüge von Ruven Bickmeier (ehemaliger Stellvertretender Vorsitzender, Anm. d. Red.) und Diana Geldermann waren. Dann hieß es einfach, nach vorne zu schauen und zu gucken, wie wir das gemeinsam stemmen können.

Wie wollen Sie den Kurs der SPD in den nächsten Jahren mitbestimmen? Was wollen Sie vielleicht auch anders machen als Ihre Vorgänger?
Stude: In die Parteiarbeit muss ich natürlich erst einmal hineinwachsen. Aber wir sind ein sehr demokratisch aufgestellter Kreis und liegen alle ziemlich auf einer Linie. Selbst wenn wir im Ausschuss auch mal unterschiedlich abstimmen, wie gerade erst bei der Debatte um den Hundekot geschehen, sind wir bei den großen Themen doch meist einer Meinung. Und falls nicht, muss jeder das offen sagen können, nicht nach dem Motto: Einer gibt den Kurs vor, und alle anderen müssen folgen.

Welche Stärken können Sie in die SPD einbringen?
Stude: Ich bin sehr kommunikativ, kann gut vermitteln und habe eher ein ausgleichendes Wesen. Zum Beispiel bin ich auch sehr gut mit einigen Mitgliedern der CDU befreundet, da gibt es überhaupt keine Probleme. Denn man darf ruhig mal andere Ansichten haben – solange diese demokratischer Natur sind.

Seit der Kommunalwahl 2009 ist die SPD in Drensteinfurt nicht mehr zweitstärkste Kraft. Wie erklären Sie sich diesen Wählerverlust?
Stude: Nun, zum einen dadurch, dass die Grünen hier auch keinen schlechten Job machen. Und was uns zum anderen sicherlich geschadet hat, war die Tatsache, dass wir keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten aufgestellt haben. Das erwarten die Wähler von einer Partei wie der SPD. Ich hoffe, dass wir für 2014 einen eigenen Kandidaten finden. Es würde mich aber auch schon freuen, wenn die CDU hier dann nicht mehr alles alleine entscheiden kann – als fairnesspolitisches Ziel sozusagen.

Die Teamschule geht in diesem Sommer an den Start. Welche Hoffnungen setzen Sie in das neue Konzept?
Stude: Das ist ein Segen für die Stadt. Den Kindern wird längeres gemeinsames Lernen ermöglicht, ohne gleich in Schubladen gepackt zu werden. Ich selbst war auf einer Gesamtschule, der Friedensschule in Münster, und bin damit auch gut gefahren. Uns hat es sehr gefreut, dass die CDU hier im Ort sich in dieser Frage auch früh positioniert und die neue Schulform möglich gemacht hat. Es hätte aus unserer Sicht natürlich noch schneller gehen können, aber da will ich jetzt nicht undankbar sein. Ich glaube, die Sekundarschule wird ein Erfolgsmodell.

Was die Menschen hier außerdem bewegt, sind die Pläne, auf Drensteinfurter Gebiet nach Erdgas zu bohren. Welche Haltung vertreten Sie?
Stude: Ich habe von Anfang an die Sitzungen der Bürgerinitiative BIGG verfolgt und deren Aktionen unterstützt. Und auch die Partei spricht sich geschlossen gegen diese Pläne aus. Wir sehen natürlich in erster Linie die Gefährdung des Grund- und Trinkwassers als Problem. Auch unsere Enkel und Urenkel wollen noch sauberes Wasser aus dem Kran bekommen, dieser Verantwortung müssen wir uns stellen. Andere Faktoren sind bedenkenswert, etwa die mögliche Zersiedelung der Landschaft oder die Gefahr von Erdbeben. Das Verhältnis von Nutzen und Risiko dieser Bohrungen finde ich aberwitzig.

Welche Themen stehen bei der Stewwerter SPD sonst noch auf der Agenda?
Stude: Weiter anpacken müssen wir auf jeden Fall die Energiewende. Gerade die Überlegung, Bürgerwindräder zu errichten, verfolge ich mit Wohlwollen. Langfristig ist die Entwicklung des Ortsteils westlich der Bahntrasse ein Thema. Da muss infrastrukturell noch mehr passieren. Aber zunächst einmal wollen wir jetzt die Sekundarschule zum Erfolg führen. Noch wird diese auch zwiespältig gesehen, das habe ich aus vielen Gesprächen mit Eltern erfahren. Da müssen wir Ängste abbauen.

Dabei kann ja auch der neue SPD-Infostand helfen, der kürzlich erstmals vor den Drensteinfurter Supermärkten aufgebaut wurde.
Stude: Mit Sicherheit. Wir wollen das gerne beibehalten und von Ortsteil zu Ortsteil wandern, um für alle Bürger präsent zu sein.

Hat sich seit Ihrer Wahl im Januar schon vieles in Ihrem Leben verändert?
Stude: Mir war im Vorfeld schon klar, dass es viel Arbeit sein wird. Der Übergang vom Stellvertretenden zum Ersten Vorsitzenden war ja auch fließend, da Frau Geldermann schon länger zwischen Drensteinfurt und dem Rheinland pendelt. Da habe ich einige Aufgaben zusätzlich übernommen. Natürlich muss ich auch auf Kreisebene jetzt mehr Präsenz zeigen. Aber ich habe viel Rückhalt innerhalb der Partei, da springt auch mal jemand anders ein, wenn es zeitlich nicht so gut passt. Denn ich möchte auch meine Familie nicht zu kurz kommen lassen, das ist mir wichtig.

In NRW ist die SPD schon an der Regierung, in Deutschland vielleicht wieder im kommenden Jahr. Wann wird denn Drensteinfurt rot?
Stude (lacht): Das ist wohl ein generationsübergreifendes Projekt! Aber die CDU hatte hier vor 20, 30 Jahren eine noch viel größere absolute Mehrheit. Unser erstes Ziel muss es sein, die CDU unter die 50-Prozent-Marke zu drücken. Und dann bin ich mal gespannt, auf wen sie als erstes zukommt, um Koalitionsgespräche zu führen. Vielleicht wird Drensteinfurt ja tatsächlich irgendwann einmal rot – und mein Sohn dann Bürgermeister!

Fügen Sie diesen Artikel zu den folgenden Social-Bookmarking-Diensten hinzu:
Delicious Facebook Twitter Google Kledy LinkArena Mister Wong MySpace OneView StudiVZ Webnews Yahoo Yigg
Beitrag von: Nicole Evering
Zurück

Einen Kommentar schreiben



Bitte geben Sie die Buchstabenreihe im unteren Bild in das Textfeld über dem Absenden-Button ein.





Es sind noch keine Leserkommentare vorhanden, warum schreiben Sie nicht den ersten?