RINKERODE In der Grundschule soll an diesem Montag während der ersten beiden Schulstunden eigentlich ganz normaler Unterricht stattfinden. „Warum auch nicht?“, fragt sich an dieser Stelle bestimmt manch einer, aber im Golddorf laufen die Uhren eben schneller als andernorts.
Während der Durchschnittsnarr sein Karnevalskostüm erst am Rosenmontag aus dem Schrank holt, feiern die Rinkeroder Jecken schon eine Woche zuvor, am „Ziegenbocksmontag“, die heißgeliebte fünfte Jahreszeit.
Schon in den frühen Morgenstunden haben sich zwölf Mitglieder der Rinkeroder Karnevals-Gesellschaft („RiKaGe“) und des Vereins „Narren unter sich“ auf ihrem liebevoll gestalteten Umzugswagen auf den Weg gemacht. Die kleinsten Bürger des Dorfes sollen mit Süßigkeiten auf das Jecken-Fest eingestimmt werden. Passend zum Motto der Session, „Teufel in der heißen Hölle“, haben sich die Narren in feuerrote Umhänge geschmissen und ihre Gesichter hinter wilden Wuschel-Perücken versteckt.
Kreative Hand am Werk
Zurück in der Grundschule ist an Zahlen und das Alphabet also gar nicht zu denken. Aufgeregt erwarten die Schüler den närrischen Besuch und bewundern gegenseitig ihre bunten Kostüme. An mancher Stelle scheint eine besonders kreative Hand am Werk gewesen zu sein, so dass jetzt Will Smith und Darth Vader die Schule mit ihrer Anwesenheit beehren.
In der Spielgruppe „Hänschen Klein“ drücken sich die Zweijährigen unterdessen ihre Nasen an den Fensterscheiben platt. Warum gerade sie in einem Tiger- oder Bienenkostüm stecken, verstehen die meisten Kinder hier noch nicht. Dafür haben sie den Teil mit den Süßigkeiten umso besser verstanden.
Als die „Gehörnten“ schließlich eintreffen, gibt es Überraschungseier und Popcorn. Erzieherin Heike Scheel bekommt außerdem den Teufelsorden und einen eigenen Dreizack – falls die „Teufelsbrut“ mal Ärger macht.
Von hoch oben
Bei ihren zwei weiteren Anlaufstellen, dem Kindergarten St. Pankratius und der Gruppe „Die kleinen Strolche“, dürfen die Kinder sogar einmal auf den bunt geschmückten Umzugswagen klettern. Von hoch oben lässt sich das dreifach kräftige „Rinkerode, Helau!“ viel besser üben, befinden die Kleinen, während sie abgepackten Süßkram auf ihre Erzieherinnen regnen lassen. Da macht das Teilen doch sogar richtig Spaß.
Letzte Station der Teufels-Jecken ist zu Beginn der dritten Schulstunde schließlich die Pausenhalle der Grundschule. Als die Narren den Refrain aus Udo Lindenbergs „Schöne Grüße aus der Hölle“ anstimmen, sind sich Lehrer und Schüler einig: „Das müssen sie das nächste Mal besser üben.“ Der guten Stimmung der Jecken tun die schiefen Töne keinen Abbruch. Für sie geht es anschließend weiter auf den ZiBoMO-Umzug nach Wolbeck.