Frisch auf den TischSonntag, 23. April 2017

Aktuell ganz frisch: Spargel aus der Region. Foto dpa

KREIS WARENDORF Regionale Lebensmittel sind in aller Munde: Es gibt Kochkurse mit diesen Lebensmitteln, es gibt Netzwerktreffen von Produzenten und Gastronomen und noch vieles mehr.

Der Bio-Trend ist abgelöst. Margit Schulze Stentrup vom Landservice der Landwirtschaftskammer in Warendorf bringt es auf den Punkt. „Seit etwa 2013 zeichnet sich dieser Trend hin zu den Lebensmitteln aus der Region ab.“ Letztlich eine lobenswerte Entwicklung, ist doch der Frischevorteil unschlagbar, denn die Transportwege sind kurz.  Nicht immer sei aber diese Entwicklung für die Direktvermarkter positiv. Denn der Weg hinaus aufs Land, hin zum Hofladen sei immer noch unbequem und koste Zeit.

Und hier sieht Schulze Stentrup ein noch größeres Problem: Der Begriff „Region“ ist nicht definiert. „Viele Discounter sind früh auf diesen Zug der so stark nachgefragten regionalen Lebensmittel aufgesprungen.“ Mittlerweile gibt es auch hier mehr Transparenz, was genau mit dem Begriff „regionale Lebensmittel“ gemeint ist. So liefert manch ein Landwirt aus der Region den frischen Spargel an die Discounter, die Gurken, die Marmeladen oder die Milch an die inhabergeführten Supermärkte.

Kann nicht jeder

„Das kann aber nicht jeder Betrieb schaffen. Nicht jeder hat diese Kapazitäten und die notwendige Logistik dazu“, erläutert die Beraterin im Landservice-Bereich. Es sei schon eine ganz andere Nummer, ob nun mit großen Discounter und Lebensmittelkonzernen verhandelt werde oder man vor dem eigenen Kunden als Direktvermarkter stehe. „Dem Kunden kann der Landwirt erklären, warum die Kartoffeln eben kleiner sind.“

Direktvermarktung regionaler Lebensmittel sei aber eben trotz der verstärkten Nachfrage kein Königsweg in der Landwirtschaft. „Auf der einen Seite hat manch ein Direktvermarkter ein Generationen-Problem. Es scheitert schlicht an der Nachfolge auf den Höfen. Auf der anderen Seite gibt es aber im Vergleich zu den Vorjahren mehr junge Leute in der Landwirtschaft, die sich fragen, ob sie sich in der Direktvermarktung weiterentwickeln können.“

Eben hier leistet auch der Landservice mit Beratungsangeboten und Seminaren Hilfestellung, um einen Einstieg in die Direktvermarktung zu finden.

Ahnungslosigkeit

Auch auf Seiten der Kunden erlebt die Vertreterin der Landwirtschaftskammer ganz unterschiedliche Bilder. Trotz der steigenden Nachfrage nach Gemüse, Milch oder Fleisch aus der Region sei die Ahnungslosigkeit unter den Verbrauchern im Hinblick auf eben diese regionalen Produkte manches Mal erschreckend. Landwirte berichten von Kunden, die auf die Höfe kommen und einen „Erdbeerbaum“ sehen möchten oder nach Samen für das Anpflanzen von Kartoffeln fragen.

Margit Schulze Stentrup hat eine Erklärung: „Wenn ich wenig von regionalen Produkten weiß, dann suche ich gerade deshalb ihre Nähe. Sie geben mir ein gutes Gefühl, ein Stück Heimat, Identität und Sicherheit.“ Dass die regionalen Produkte eher im mittleren bis gehobenen Preissegment zu finden sind, schreckt die Kunden offensichtlich nicht. „Das ist ein Kauf über Geschmack und Qualität und der Wille, die heimische Landwirtschaft zu unterstützen.“

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Beitrag von: Monika Vornhusen
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