Blick f├╝rs BesondereSamstag, 12. August 2017

Klein- und gro├čformatige Druckgrafiken stellt Christiana Diallo-Morick in der Alten Post aus. Foto Evering

RINKERODE Ein altes Holzbrett mit tiefen Kerben. Es hat einmal als Unterlage beim Zurechtschneiden von Pflastersteinen gedient. Für die meisten ist das Müll. Nicht so für Christiana Diallo-Morick, die immer schon einen Blick für das besondere Detail hatte. Um dieses Brett herum hat die Künstlerin eine Ausstellung konzipiert.

Lichtdurchflutete Räume, eine Mischung aus alten und modernen Möbelstücken, Bilder und Skulpturen an Wänden und auf Regalen: Das Innere des Hauses von Christiana Diallo-Morick ist selbst ein kleines Kunstwerk. Hier lässt sich auf den ersten Blick erkennen, dass die gebürtige Rinkeroderin sich nicht auf einen Stil, eine Richtung festlegen will. „Vielseitig interessiert“ sei sie, „ich strecke meine Fühler gerne in alle Richtungen aus“.

Sie fotografiert, malt, zeichnet, fertigt Skulpturen und Druckgrafiken. Sogar als Einrichtungsberaterin ist die zweifache Mutter, die auch verschiedene Kunstkurse an der VHS Ahlen leitet, zuweilen tätig. Denn aus Altem Neues machen, Bestehendes anders kombinieren, das liegt der Künstlerin, die in Münster studiert und dort 1994 ihren Abschluss als Diplom-Grafikdesignerin gemacht hat.

Thema "Schnittstellen"

Die eigenen Werke sind über alle Räume im Haus verteilt. Einen Teil wird die Öffentlichkeit am 9. und 10. September zu Gesicht bekommen, dann stellt Diallo-Morick anlässlich des Drensteinfurter Kultursommers in der Alten Post aus. „Schnittstellen“ lautet das Thema, ein altes Holzbrett legte dafür den Grundstein.

Das Brett mit den unzähligen Kerben hat sie einst im Garten ihrer Cousine gefunden. „Ich war gleich fasziniert, habe eine besondere Rhythmik in den Einschnitten erkannt.“ Sowieso hat Diallo-Morick ein Faible für grafische Formen, insbesondere für Linien. Die ziehen sich seit Jahren durch ihre Bilder und Fotografien. Auch nicht selten sind Arbeiten, die improvisiert oder sogar durch ein Missgeschick entstanden sind. „Ich lasse mich inspirieren und bin offen für Sachen, die mir zufällig begegnen.“ Dann arrangiert sie zufällig entstandene Probestücke in einem anderen Kontext – und erhält plötzlich doch ein Werk, das es wert ist, ausgestellt zu werden. In der Tonne landet bei ihr eigentlich gar nichts.

Neue Bestimmung

In der Tischlerei von Antonius Stöppler wurde sie so ebenfalls fündig. „Da darf ich immer den ‚Müll‘ nach Holzresten durchwühlen“, erzählt Diallo-Morick schmunzelnd. Hier wurde der alte Zuschneidetisch, auf dem die Kreissäge im Laufe der Zeit tiefe Spuren hinterlassen hat, einer neuen Bestimmung zugeführt. Über ein Hochdruckverfahren hat die Künstlerin die Muster von der Holzplatte mit Linoldruck- und Acrylfarbe per Walze auf Papier gebannt – manchmal in mehreren Arbeitsgängen, immer per Handabzug. Ein aufwendiger Prozess, bei dem es auf genaues und gleichmäßiges Arbeiten ankommt. „Manchmal dauert es ein wenig länger, bis am Ende das herauskommt, was man sich vorgestellt hat“, erklärt Christiana Diallo-Morick, die auch als zweite Vorsitzende des Kunst- und Kulturvereins Drensteinfurt engagiert ist.

Neun große und mehrere kleine Holzplatten dienten insgesamt als Grundlage. Die Ergebnisse ihrer Arbeit, für die sie sich gerne in ihr helles, großzügiges Atelier unter dem Dach zurückzieht, sind nun Teil des Kultursommers. Ein paar Bilder sind schon fertig gerahmt, anderen will Christiana Diallo-Morick, die schon als Kind ihre Begeisterung fürs Malen entdeckt hat, noch den letzten Schliff verpassen. Und vielleicht kommen auch noch ein paar ganz neue Werke dazu. Denn wer weiß, welche Missgeschicke ihr bis zur Ausstellungseröffnung noch so unterlaufen.

 

Unter dem Thema „Schnittstellen“ zeigt die Rinkeroder Künstlerin Christiana Diallo-Morick aktuelle Druckgrafiken und großformatige Holzschnitte. Die Ausstellung ist Bestandteil des Drensteinfurter Kultursommers und am Samstag, 9. September, von 16 bis 18 Uhr sowie am Sonntag, 10. September, von 11 bis 18 Uhr in der Alten Post zu sehen. Die Eröffnung ist am Samstag um 17 Uhr und wird von einem Künstlergespräch, moderiert von der Vorsitzenden des Kunst- und Kulturvereins, Christa Heistermann, begleitet.

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Beitrag von: Nicole Evering
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