Schmerzen und andere SorgenFreitag, 13. Oktober 2017

Mama Romina kämpft für ihre Tochter Alicia. Foto Nitsche

ASCHEBERG Mit 14 Monaten wurde bei Alicia-Sjaan Janiszek Rheuma diagnostiziert. Rund acht Jahre später kennen das Mädchen und ihre Mutter aus Ascheberg nicht nur die Schmerzen, sondern auch ganz andere Sorgen.

Romina Janiszek ist wütend, geschockt und enttäuscht. „Wofür habe ich eine Krankenkasse?“, fragt sie sich und blickt kopfschüttelnd auf das Schreiben der AOK. Schwarz auf weiß ist zu lesen, dass die Kasse dem Antrag auf einen Therapieroller für ihre Tochter Alicia-Sjaan nicht stattgibt. Sie will die Kosten des vom St. Josef-Stift Sendenhorst empfohlenen Hilfsmittels nicht übernehmen.

Alicia jedoch ist darauf angewiesen. Im Alter von 14 Monaten wurde bei dem Kind Rheuma diagnostiziert. Ihr Leben ist geprägt von Schmerzen, vielen Krankenhausaufenthalten und jeder Menge Medikamente. Aktuell hat sich durch den Rheumaverlauf ein Knorpelschaden am rechten Knie gebildet. Die Folge: eine schwere OP, acht Wochen Rollstuhl und Therapie im St. Josef-Stift.

Muskelabbau verhindern

Im August hat die Nachuntersuchung gezeigt, dass sich der Knorpel wieder aufbaut; die nächste Hiobsbotschaft ließ jedoch nicht lange auf sich warten. „Nun geht der Spaß am rechten Sprunggelenk los.“ Die Therapie ist so angesetzt, dass sich Alicia bewegen soll, um Muskelabbau zu verhindern, das Bein aber nicht belasten darf. „Dafür benötigen wir den Therapieroller. Stattdessen bietet mir die Krankenkasse einen Rollstuhl an, der zur Folge hätte, dass sich meine Tochter nicht mehr bewegt.“

Die 34-jährige alleinerziehende Mutter ist verzweifelt. Die Krankheit ihres Kindes ist schon schwer genug, aber die ständige bürokratische Auseinandersetzung zermürbt. Aktenordner reiht sich an Aktenordner, auf dem Tisch liegt ein siebenseitiger Widerspruch, den Romina Janiszek verfasst hat.

Kinderkonferenz einberufen

Derzeit nutzt Alicia ein Kinderfahrrad von Puky als Laufrad. „Sie ist neun und schämt sich, abgesehen davon, dass diese Hilfsvariante in keiner Weise ihren Zweck erfüllt.“ Dankbar ist die gelernte Krankenschwester dafür, dass die Lambertusschule sich so auf die Bedürfnisse ihres Kindes einstellt. Die ÜBI hat eigens für Alicia eine Kinderkonferenz einberufen, um allen anderen Schülern Alicias Situation zu erklären.

Die Absage der Krankenkasse hat auch Alicia gelesen. Das sind dann die Momente, in denen sie ihre Verzweiflung zum Ausdruck bringt: „Mama, ich hasse mein Rheuma!“. Für ihre Mutter ist das extrem belastend: „Die Kassen tun gerade so, als ob ich einen Türkei-Urlaub bezahlt haben möchte.“ Dabei geht es nur um ein Laufrad – das übrigens nicht das einzige Hilfsmittel ist, das die Kasse für Alicia schon abgelehnt hat.

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Beitrag von: Tina Nitsche
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